Internet Explorer - Rück- und Ausblicke

29 04 2005

Der Inter­net Explo­rer. Ein “wanna-be”-Browser (wie er kürz­lich im WordPress-​Support-​Forum bezeich­net wurde), der jeden Web­de­si­gner zur Weiß­glut treibt.

IE 7 LogoDie Geschichte ist inter­es­sant, denn ursprüng­lich ent­wi­ckelte sich der IE aus dem ers­ten bekann­ten Web­brow­ser NCSA Mosaic, dem glei­chen Brow­ser also, auf dem auch der Net­scape Navi­ga­tor auf­setzte, auf des­sen Code wie­derum die Mozilla-​Browser basie­ren. 1995 kaufte die Firma Micro­soft das Pro­dukt der Firma Spy­glass ab, ent­wi­ckelte fortan den IE wei­ter und inte­grierte ihn seit Win­dows 98 als fes­ten Bestand­teil des haus­ei­ge­nen Betriebs­sys­tems. Durch des­sen hohe Ver­brei­tung ist auch der IE heute der mit Abstand meist­ge­nutzte Web­brow­ser. Lei­der. Eine Ver­sion für das MacOS wird seit 2004 nicht mehr wei­ter­ent­wi­ckelt und auch die letzte Windows-​Version ist mitt­ler­weile 4 Jahre alt, im Internet-​Zeitalter eine Ewigkeit.

Neu­este Ent­wick­lun­gen bei den Web­stan­dards (XHTML, CSS usw.) sind somit unbe­rück­sich­tigt und der Brow­ser ist in die­ser Hin­sicht hoff­nungs­los ver­al­tet. Die Soft­ware­schmiede aus Red­mond hatte zwi­schen­zeit­lich sogar das IE-​Entwicklerteam auf­ge­löst. Schließ­lich wurde der Brow­ser kos­ten­los ver­trie­ben und hatte nach dem Zusam­men­bruch der Firma Net­scape prak­tisch eine Mono­pol­stel­lung. So ver­ging einige Zeit ohne nen­nens­werte Ände­rung die­ses Zustan­des. Im Hin­ter­grund jedoch tat sich etwas auf dem frü­her so umkämpf­ten Brow­ser­markt. Als sich die Firma Net­scape vom bekann­ten Navi­ga­tor ver­ab­schie­dete, legte sie den Quell­code der Soft­ware offen und gab ihn als Open Source frei. Einige Ent­wick­ler nah­men die­ses Ange­bot gerne an und ent­wi­ckel­ten den Brow­ser unter dem Namen Mozilla wei­ter. Der neue Net­scape wurde zwar gut auf­ge­nom­men, seine Ver­brei­tung beschränkte sich aber auf einen klei­nen Pro­zent­satz (ähnlich dem von Opera ). Die Mozilla-​Foundation ent­schied dann vor nicht allzu lan­ger Zeit, daß es sinn­vol­ler sei, die Mozilla-​Suite (Brow­ser, Com­po­ser, EMail) in meh­rere Ein­zel­pro­gramme auf­zu­tei­len. Und ent­wi­ckelte einen neuen Brow­ser, der aller­dings eben­falls auf der bekann­ten Gecko-​Engine auf­setzt. Die­ser hieß am Anfang Pho­enix, spä­ter dann Fire­bird und aus recht­li­chen Grün­den wurde der Name im ver­gan­ge­nen Jahr noch wie­derum geän­dert. Der Fire­fox war da.

Als am 09. Novem­ber 2004 die offi­zi­elle Ver­sion 1.0 des Fire­fox erschien, kam erd­rutsch­ar­tig Bewe­gung ins Brow­ser­ge­schäft. Der Fuchs ist ein fei­nes Stück Soft­ware. Stan­dard­kon­form im Sinne des W3C und fle­xi­bel. Mit den not­wen­di­gen Plugins läßt sich aus die­sem Pro­gramm ein schwei­zer Taschen­mes­ser bauen. Der Firefox-​Hype begann und hält bis heute an, wenn auch etwas abge­schwächt. So wurde der Fire­fox bis zum 26. April 2005 – 50.000.000 mal her­un­ter geladen.

Und plötz­lich kommt wie­der Bewe­gung in den trä­gen Rie­sen Micro­soft. War eine neue Ver­sion des Inter­net Explo­rers erst für das Erschei­nen des neuen Betriebs­sys­tems Long­horn geplant, sind die Ent­wick­ler jetzt schon dabei, die erste Beta-​Version vor­zu­be­rei­ten, die wohl noch in die­sem Jahr erschei­nen soll. Der IE sollte auch nicht mehr frei ver­füg­bar, son­dern nur für Longhorn-​Käufer erhält­lich sein. Auch die­ser Plan wurde ange­sichts des Firefox-​Erfolges geän­dert. Es wird ihn nun wie immer kos­ten­los bereits ab Win­dows XP geben. Es geht also doch.

Am 09. März 2005 stellte sich Chris Wil­son als Chef des neuen Ent­wick­ler­teams vor (immer­hin war er schon seit 1995 dabei) und fragte die Leser des IE-​Blogs bzw. die Web­de­si­gner all­ge­mein, wel­che Fea­tures sie sich für den neuen Inter­net Explo­rer wün­schen. Es gab ein enor­mes Feed­back und immer wie­der wurde gefor­dert, daß der neue IE sich ein­fach an die Web­stan­dards hal­ten soll, eine per­fekte CSS 2-​Umsetzung wäre wün­schens­wert und end­lich die Unter­stü­zung trans­pa­ren­ter PNG–Gra­fi­ken. Und – es gesche­hen noch Zei­chen und Wun­der – am 22. April 2005 gab Chris Wil­son bekannt, das die Beta-​Version 7.0 eben jene trans­pa­ren­ten PNG–Dateien unter­stüt­zen wird und die CSS–Unter­stüt­zung so aus­fal­len wird, daß für Web­de­si­gner ein kon­sis­ten­tes Arbei­ten mög­lich ist. Die 7er Beta soll in Kürze Erschei­nen und wenn allein diese bei­den Fak­ten zutref­fen, dann bricht für Web­de­si­gner ein neues, para­die­s­ähn­li­ches Zeit­al­ter an.

Ich per­sön­lich bin kein Firefox-​Jünger oder IE-​Hasser. Ich möchte nur Web­sei­ten nach den Vor­ga­ben des W3C erstel­len und diese sol­len in allen Brow­sern iden­tisch aus­se­hen. Nicht mehr und nicht weni­ger. Ohne beson­dere Tricks, Fil­ter und Hacks zu ver­wen­den. Inso­fern sind das gute Neu­ig­kei­ten aus Red­mond. Hof­fen wir, daß sich Wil­sons Ankün­di­gun­gen bewahrheiten.

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