Internet Explorer - Rück- und Ausblicke
Der Internet Explorer. Ein “wanna-be”-Browser (wie er kürzlich im WordPress-Support-Forum bezeichnet wurde), der jeden Webdesigner zur Weißglut treibt.
Die Geschichte ist interessant, denn ursprünglich entwickelte sich der IE aus dem ersten bekannten Webbrowser NCSA Mosaic, dem gleichen Browser also, auf dem auch der Netscape Navigator aufsetzte, auf dessen Code wiederum die Mozilla-Browser basieren. 1995 kaufte die Firma Microsoft das Produkt der Firma Spyglass ab, entwickelte fortan den IE weiter und integrierte ihn seit Windows 98 als festen Bestandteil des hauseigenen Betriebssystems. Durch dessen hohe Verbreitung ist auch der IE heute der mit Abstand meistgenutzte Webbrowser. Leider. Eine Version für das MacOS wird seit 2004 nicht mehr weiterentwickelt und auch die letzte Windows-Version ist mittlerweile 4 Jahre alt, im Internet-Zeitalter eine Ewigkeit.
Neueste Entwicklungen bei den Webstandards (XHTML, CSS usw.) sind somit unberücksichtigt und der Browser ist in dieser Hinsicht hoffnungslos veraltet. Die Softwareschmiede aus Redmond hatte zwischenzeitlich sogar das IE-Entwicklerteam aufgelöst. Schließlich wurde der Browser kostenlos vertrieben und hatte nach dem Zusammenbruch der Firma Netscape praktisch eine Monopolstellung. So verging einige Zeit ohne nennenswerte Änderung dieses Zustandes. Im Hintergrund jedoch tat sich etwas auf dem früher so umkämpften Browsermarkt. Als sich die Firma Netscape vom bekannten Navigator verabschiedete, legte sie den Quellcode der Software offen und gab ihn als Open Source frei. Einige Entwickler nahmen dieses Angebot gerne an und entwickelten den Browser unter dem Namen Mozilla weiter. Der neue Netscape wurde zwar gut aufgenommen, seine Verbreitung beschränkte sich aber auf einen kleinen Prozentsatz (ähnlich dem von Opera ). Die Mozilla-Foundation entschied dann vor nicht allzu langer Zeit, daß es sinnvoller sei, die Mozilla-Suite (Browser, Composer, EMail) in mehrere Einzelprogramme aufzuteilen. Und entwickelte einen neuen Browser, der allerdings ebenfalls auf der bekannten Gecko-Engine aufsetzt. Dieser hieß am Anfang Phoenix, später dann Firebird und aus rechtlichen Gründen wurde der Name im vergangenen Jahr noch wiederum geändert. Der Firefox war da.
Als am 09. November 2004 die offizielle Version 1.0 des Firefox erschien, kam erdrutschartig Bewegung ins Browsergeschäft. Der Fuchs ist ein feines Stück Software. Standardkonform im Sinne des W3C und flexibel. Mit den notwendigen Plugins läßt sich aus diesem Programm ein schweizer Taschenmesser bauen. Der Firefox-Hype begann und hält bis heute an, wenn auch etwas abgeschwächt. So wurde der Firefox bis zum 26. April 2005 – 50.000.000 mal herunter geladen.
Und plötzlich kommt wieder Bewegung in den trägen Riesen Microsoft. War eine neue Version des Internet Explorers erst für das Erscheinen des neuen Betriebssystems Longhorn geplant, sind die Entwickler jetzt schon dabei, die erste Beta-Version vorzubereiten, die wohl noch in diesem Jahr erscheinen soll. Der IE sollte auch nicht mehr frei verfügbar, sondern nur für Longhorn-Käufer erhältlich sein. Auch dieser Plan wurde angesichts des Firefox-Erfolges geändert. Es wird ihn nun wie immer kostenlos bereits ab Windows XP geben. Es geht also doch.
Am 09. März 2005 stellte sich Chris Wilson als Chef des neuen Entwicklerteams vor (immerhin war er schon seit 1995 dabei) und fragte die Leser des IE-Blogs bzw. die Webdesigner allgemein, welche Features sie sich für den neuen Internet Explorer wünschen. Es gab ein enormes Feedback und immer wieder wurde gefordert, daß der neue IE sich einfach an die Webstandards halten soll, eine perfekte CSS 2-Umsetzung wäre wünschenswert und endlich die Unterstüzung transparenter PNG-Grafiken. Und – es geschehen noch Zeichen und Wunder – am 22. April 2005 gab Chris Wilson bekannt, das die Beta-Version 7.0 eben jene transparenten PNG-Dateien unterstützen wird und die CSS-Unterstützung so ausfallen wird, daß für Webdesigner ein konsistentes Arbeiten möglich ist. Die 7er Beta soll in Kürze Erscheinen und wenn allein diese beiden Fakten zutreffen, dann bricht für Webdesigner ein neues, paradiesähnliches Zeitalter an.
Ich persönlich bin kein Firefox-Jünger oder IE-Hasser. Ich möchte nur Webseiten nach den Vorgaben des W3C erstellen und diese sollen in allen Browsern identisch aussehen. Nicht mehr und nicht weniger. Ohne besondere Tricks, Filter und Hacks zu verwenden. Insofern sind das gute Neuigkeiten aus Redmond. Hoffen wir, daß sich Wilsons Ankündigungen bewahrheiten.
Artikel: Internet Explorer - Rück- und Ausblicke
Datum: Friday, 29. April 2005, 20:39 Uhr
Kategorien: Browser, Webdesign
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Journal (Artikel)
30. April 2005
@ 09:56
Danke für den Beitrag, ich wußte noch gar nicht das es schon so gut um den IE steht, und das schon aktiv an ihm rumgewerkelt wird. Doch es ist interessant, wie sich die Sache mit dem Erscheinen von Firefox2 entwickeln wird, da dieser neue bahnbrechende Funktionen enthalten soll, und noch schneller und sicherer werden soll.
Das wird noch interessant, doch wie von dir schon erwähnt, auch Opera darf man nicht vergessen, obwohl dessen Shareware Prinzip mit dazugehöriger Werbung mich nicht überzeugt!
30. April 2005
@ 14:01
Der Opera ist in der Tat ein guter und wirklich schneller Browser, wäre nicht das Shwareprinzip, er hätte wahrscheinlich einen viel höheren Stellenwert. Würde es andererseits nur den Internet Explorer und den Opera geben, hätte ich wahrscheinlich schon für den Opera gezahlt. Aber da sei der Firefox vor. ;)
Die PNG-Unterstützung ist übrigens schon implementiert, wie man im IE-Blog nachlesen kann. =)
John
6. October 2008
@ 01:19
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