Tag-Clouds - Hmmm… del.icio.us!

Jeffrey Zeldman bezeichnet die Tag-Clouds als neue Mullets (sinngemäß sind das die Nackenspoiler-Frisuren die in den 80er Jahren hip waren).

Brilliant as the idea remains, faddishness is choking its air supply. Damned clouds are everywhere.

Es ist wie mit allem: wird ein Hype draus, wird es schnell langweilig. Zeldman kommt aber schließlich auch zu dem Schluß:

It is of course wrong to compare weighted tag clouds to mullets, mood rings, and similar instances of mindless pop-cultural detritus. Tag clouds are not dumb. Their smartness is why so many have rushed to use them.

Er kritisiert die Modeerscheinung der Schlagwort-Wolken, aber smart sind sie schon. In der Blogosphere gibt es eigentlich nur ein Pendant zum “Durchstöbern” bestimmter Themengebiete: die Kategorien. Die Frage ist nur, wie oft nutzt jemand das Angebot einer Kategorie um nach einem bestimmten Schwerpunkt zu suchen? Vor allem wenn ersichtlich ist, daß diese Kategorie z.B. 63 Einträge enthält.

Ein Beispiel: Ein gern gelesener Blogger schreibt viel über XHTML, CSS, XML, PHP usw. Er legt diese Beiträge alle in der Kategorie “Webstandards” ab. Diese füllt sich schnell und die Wahrscheinlichkeit, daß jemand darüber einen Beitrag zum Thema XML findet, sinkt drastisch. Es dauert einfach zu lange und die Suche ist da wesentlich effektiver (ist sie ohnehin). Tag-Clouds sind in dieser Hinsicht tatsächlich smarter. Voraussetzung ist allerdings, daß die Tags auch sinnig vergeben werden. Ist das der Fall, blickt man auf die Wolke, sucht den Tag XML und findet darunter hoffentlich das Gesuchte.

Interessant ist weiterhin, daß Tag-Clouds recht schnell etwas über die Schwerpunkte und Interessen des Schreibenden verraten, wesentlich besser, als dies Kategorien je könnten. Außerdem sollte man 50 Kategorien eher vermeiden, schon aus praktischen Gründen – die Sidebar wird einfach zu lang. Neulich stieß ich im Netz z.B. auf folgende Seite: Pete Freitag. Auf einen Blick sieht man, daß der Schwerpunkt dieses Bloggers im Bereich Macromedia Cold-Fusion und der enstprechenden Scriptsprache CFML liegt. Da weiß ich nach einer Sekunde, daß ich weitersurfen kann, weil mich CFML nicht interessiert. Praktisch. Um den Surfer aber nicht zu “erschlagen”, empfiehlt sich der Einsatz der Mullets auf einer separaten Archiv-Seite o.ä.

So viel zur Theorie. Ein anderer interessanter Aspekt ist die Generierung der trendigen Wolken per Scriptsprache. Es gibt verschiedene Ansätze, aber zur rein praktischen Umsetzung (sprich: Code-Snippets o.ä.) findet man im Netz nicht so übermäßig viel. Ich stieß schließlich an recht versteckter Stelle auf eine kurzes und knappes Script zum Erstellen einer Tag-Wolke für einen del.icio.us-Account. Es gefiel mir recht gut, zumal das Erzeugen der gewichteten Liste (weighted list – treffenderer Name für eine Cloud) recht smart erfolgt. Ich habe den Code modifiziert, da der Autor Chris Lott die Tag-Liste zunächst in einer Datei abspeicherte, was ich etwas umständlich fand. In den ersten Zeilen der tagcloud.php kann man die entsprechenden Einstellungen für die persönliche Anpassung vornehmen, in erster Linie natürlich den Benutzernamen und das Passwort des del.icio.us-Accounts. Interessant auch der Parameter GRADATION. Über ihn legt man fest, wieviele unterschiedliche Schriftarten bzw. Formatierungen definiert werden. Die eigentliche Formatierung der Wolke erledigt man dann per CSS. Dem liegt folgende Struktur zu Grunde:

<p class="cloud">
<a href="…" class="tagX">Beispiel-Tag</a>
</p>

wobei das X hinter Tag für eine Zahl zwischen 1 und GRADATION steht. Das Script versieht die Links bereits mit einer entsprechenden Wichtung und es müssen nur noch mittels

<style type="text/css">
.cloud { allgemeine Formatierung der Wolke }
.tag1 { kleinste Schriftformatierung }
.tag2 { etwas größere Schriftformatierung }
.tag3 { noch etwas größer … usw. }
</style>

die Formatierungen vorgenommen werden. Hier nun also das Code-Snippet für Tag-Clouds aus del.icio.us-Tags:

Download: delicious-tagcloud.zip (1.720 Bytes)

Beispiel: Tag-Cloud Demo. Die Verwendung in bestehenden Webseiten erfolgt per:

<?php include("tagcloud.php"); ?>

und ist unabhängig von WordPress u.a. Systemen. Benötigt wird lediglich PHP, hierbei muß allerdings die CURL-Library aktiviert sein. Da das scheinbar einzige WordPress-Plugin für die Integration einer del.icio.us-Wolke offensichtlich schon längere Zeit offline ist, überlege ich das Snippet noch als Plugin umzuschreiben. Chris Lott hat mir freundlicher Weise die Verbreitung des Codes erlaubt, allerdings sollte der Hinweis auf seine Person erhalten bleiben. In diesem Sinne ist die PHP-Datei vielleicht auch einfach als Grundlage für eigene Projekte interessant.

Weiterführende Links:
Ultimate-Tag-Warrior für WordPress
Jeromes Keywords

Artikel: Tag-Clouds - Hmmm… del.icio.us!
Datum: Friday, 10. February 2006, 23:13 Uhr
Kategorien: Blog, Internet, Webdesign
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