Cirque du Soleil - Dralion

Wer geht heute eigentlich noch in einen Zirkus? Von Familien mit Kindern mal abgesehen. Irgendwann war jeder schon mal drin, hat die Löwen bestaunt (ooohhh) und den Zauberer (aaahhh), hat mehr oder weniger über die Clowns gelacht und eigentlich wars ganz schön. Heute wollen die 6jährigen Mädels zu Konzerten von Robbie Williams oder sind verrückt nach Mick Jagger und den Stones. Tiere kann man sich ja am Wochenende im Fernsehen anschauen und notfalls ist der Streichelzoo im Tierpark wesentlich gefühlsechter, als die pseudo-wilden Tiger in der Manege. Warum sich also die Zeit mit Gauklern und Dompteuren vertreiben?

Cirque du Soleil - LogoAnyway, am vergangenen Freitag war ich mal wieder im Zirkus. Zugegeben, eigentlich wurde ich mit sanftem Druck hingeführt… zum Cirque du Soleil. Meine Zweifel waren nicht nur unbegründet, bereits nach den ersten Minuten der Show hatte ich völlig vergessen, welcher Wochentag war. Am besten läßt es sich vielleicht mit dem Titel einer der ersten Shows des CdS beschreiben: »We reinvent the circus!« Das ist kein Deut übertrieben, denn was der CdS in einem gut zweistündigen Festival der Sinne abliefert, hat mit einem klassischen Zirkus nicht mehr viel gemein.

Die Zuschauer erleben über zwei Stunden „Hochgeschwindigkeitsentertainment” in Perfektion.

Gourmet Report

Von der ersten Minute an erlebt man ein so atemberaubendes Feuerwerk aus Farben, Kostümen, Musik, Akrobatik, Tanz und Licht, wie ich es zumindest noch nicht erlebt habe. Hinter einer typischen runden Zirkusbühne im Zentrum des eigens mitgebrachten Zirkuszeltes, erhebt sich eine faszinierende Stahlkonstruktion mit dem morbiden Charme der Mad-Max-Filme und zusammen mit den technischen Spielereien unter der Kuppel des Zeltes ergibt sich für die Künstler ein Areal zum Austoben, bei dem man größtenteils nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll.

Cirque du Soleil - DralionMan merkt dem neuen CdS-Programm Dralion an, daß jeder noch so kleine Teil der Show mit unheimlich viel Liebe zum Detail kreiert wurde. Während vorne ein ukrainischer Jongleur, zu den rockigen Klängen der Live-Musiker, die Schwerkraft kleiner Bälle aufhebt, schwebt mehrere Meter über im eine Lady am Band und wirft ihm nach und nach weitere Bälle zu. Während dessen klettern Akrobaten in geheimnisvollem Licht an der Stahlkonstruktion hoch und wieder runter. Ohne Sinn zunächst, aber es ist ein perfektes Ambiente für den im Vordergrund agierenden Jongleur, dessen Kunststücke immer wilder werden… Meines Erachtens ein wichtiger Punkt in der Faszination des Cirque du Soleil: niemand steht einfach nur rum, nichts ist einfach nur so. Es ist eine perfekt ausgeklügelte Show die überall ineinandergreift und den Zuschauer im besten Sinne völlig fordert. Rasant, mit wunderbar kraftvoller Musik und dem betörenden Gesang einer Frau und eines Mannes mit Kastratenstimme unterlegt, werden klassische Zirkusnummern wie Trapez, Trampolin & Co. nicht einfach abgespult; sie werden zum Event.

Pure Reizüberflutung, sagen die einen. Ein Fest für alle Sinne, sagen die anderen.

Stern

Cirque du SoleilVielfältig wie die Show, ist auch die Herkunft der Künstler. 62 Artisten aus 11 Ländern (z.B. China, Rußland, Kanada, Brasilien) sind dabei. Eine Tänzerin von der Elfenbeinküste wirbelt wie ein Derwisch übers Parkett, chinesische Drachen (aus Artisten gebildet) balancieren auf großen Kugeln, ein Tänzerpaar schwebt, an Bändern befestigt, einen Pas de Deus durch die Luft, bevor chinesische Artistinnen Spitzenakrobatik, auf Glühlampen stehend, darbieten. So unglaublich wie es klingt, ist das Ganze auch. Nachdem sich dann nach 2½ viel zu kurzen Stunden sämtliche Akteure unter frenetischem Applaus auf der Bühne verabschiedet und sich über die stehenden Ovationen gefreut hatten, ging das generationenübergreifende Publikum in dem Wissen nach Hause, etwas sehr Besonderes erlebt zu haben. Und der eine oder andere mag auch seine Meinung zum Zirkus überdacht haben. Wenn der Sonnen-Zirkus wieder nach Berlin kommt, werde ich jedenfalls einer der ersten sein, der ein Ticket ordert.

Facts

Der heute weltberühmte Cirque du Soleil wurde 1984 aus einer Truppe von Straßenkünstlern in Kanada gegründet und beschäftigte seinerzeit 73 Mitarbeiter. Heute sind es 3.000 weltweit, es gibt fest installierte Shows vor allem in den USA und Kanada und man tourt mit den verschiedensten Programmen durch die Welt. Seit Ende August 2006 ist der CdS nach 7 Jahren wieder in Deutschland und die Auftritte in Berlin wurden auf Grund der großen Nachfrage mittlerweile bis zum 08. Oktober ausgeweitet.

Dralion trotzt der Schwerkraft und erschafft eine Traumwelt, in der das physikalisch Unmögliche, möglich wird.

Gourmet Report

Der Name des Programms der aktuellen Tour Dralion ist eine Symbiose aus Dragon und Lion und symbolsiert das Verschmelzen fernröstlicher und westlicher Zirkustraditionen. Dralion schöpft aus weltweiten kulturellen Einflüssen und der Vielfalt der Darsteller des Cirque du Soleil. Die Einflüsse der beim Cirque du Soleil traditionell live gesungenen und gespielten Musik reichen von indischen Melodien bis zu Klängen andalusischer, afrikanischer und mitteleuropäischer Instrumente.

Dralion in Deutschland

30.08. – 08.10.2006 – Berlin, Stralauer Platz/Ostbahnhof
19.10. – 05.11.2006 – Frankfurt/Main, Festplatz am Ratsweg
07.12. – 31.12.2006 – Düsseldorf, Neuss / Düsseldorfer Hafen

Links

Cirque du Soleil
Cirque du Soleil: Dralion
Geschichte des CdS bei Wikipedia

Kritik beim Gourmet-Report
Kritik im Stern
Bilderserie im Stern

Artikel: Cirque du Soleil - Dralion
Datum: Wednesday, 20. September 2006, 15:16 Uhr
Kategorien: Everyday Life
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